Widersprüche und Ungereimtheiten in der herkömmlichen Schmerztheorie und –therapie
Ein typisches Erlebnis zur Fibromyalgie
Ich werde nie vergessen, als Petra und ich im Sommer des Jahres 2002 eingeladen waren, einen Vortrag auf einer Fibromyalgieveranstaltung in Offenbach am Main zu halten. Wir kamen in den Raum, in dem ungefähr 400 Zuhörer saßen und einem Vortrag lauschten. Der Großteil der Anwesenden waren Fibromyalgiekranke. Ein bekannter Professor, dessen Namen ich hier nicht nennen möchte, stellte sein neues Fibromyalgie-Arzneimittel vor. Petra und ich hörten noch zu und sahen uns die Produkte einiger anwesender Aussteller an. Ich entdeckte einen Flyer, auf dem Fibromyalgie definiert war und traute meinen Augen kaum. Ich las, dass diese Krankheit dann vorliegt, wenn 6 verschiedene Körperzonen druckempfindlich sind. Später werden Sie die Zusammenhänge besser verstehen. Für mich war damals unzweifelhaft klar, dass es sich bei dieser Krankheit um einen Irrtum handelt. Denn ich wusste aus Erfahrung mit unserer Therapie, dass und vor allem warum diese Körperzonen schmerzempfindlich auf Druck reagieren. Ich konnte es kaum erwarten, meinen Teil des Vortrages zu halten, denn ich war mir schon damals sicher zu wissen, wie diese Schmerzen zu reduzieren sind. Kaum an der Reihe, verkündete ich frohen Herzens und voller Naivität, dass ich wüsste, wie Fibromyalgie zu heilen sei, und dass sie eigentlich gar nicht existiere, zumindest nicht in der vermuteten unheilbaren Form. Ich werde nie vergessen was passierte, nachdem ich diese Sätze ausgesprochen hatte. Hinten rechts stand plötzlich eine Frau auf und schrie mich völlig empört an. Was ich Schnösel mir einbilden würde, wie ich einen solchen Unfug erzählen könnte und was mir einfallen würde, so unverschämt zu sein, den noch anwesenden Professor so zu brüskieren? Andere stimmten in das Protestgeschrei ein. Ich war völlig geschockt, brach meinen Vortrag ab und Petra übernahm, um mit ihrer wunderbaren ruhigen Art die Wogen zu glätten.
Ich ging benommen an den Rand, wo die Aussteller ihren Platz hatten, und versuchte zu begreifen, was da eben passiert war. Plötzlich sprach mich eine Frau an und fragte mich, ob ich ihr helfen könne. Ich fragte was sie hätte und sie erklärte mir, dass sie seit vier Jahren unter Schmerzen in der linken Wade leide und dass vor zwei Wochen nun endlich ein Arzt herausgefunden hätte, dass sie an Fibromyalgie leidet. Sie hätte aber meinen kurzen Vortrag sehr interessant gefunden, fühle sich außer ihren Wadenschmerzen auch kein bisschen krank und wüsste gerne, ob ich ihr helfen könne. Ich überlegte kurz, sah meine Chance, den Zuhörern zu beweisen, dass meine Behauptungen begründet waren und behandelte sie. Ich ließ mir Zeit und schickte innige Stoßgebete zum Himmel. Nach ungefähr fünfzehn Minuten ließ ich sie aufstehen und probieren, ob sich an ihrem Schmerz etwas verändert hat. Sie machte einige Schritte, schaute sehr verblüfft und sagte fassungslos, dass der Dauerschmerz, den sie vier Jahre lang hatte, vollständig verschwunden sei. Ich fragte sie, ob sie bereit sei, das dem anwesenden Publikum zu erzählen, womit sie sich gerne einverstanden erklärte und dann auch tat. Nachdem sie ihre Krankengeschichte kurz erzählt und das Behandlungsergebnis verkündet hatte, brach Tumult aus. Die Veranstaltung spaltete sich in zwei Lager. Die eine Gruppe umringte mich, jeder stellte Fragen zu seinen Schmerzzuständen. Ein Herr erklärte mir, er würde am nächsten Tag in die Praxis kommen und er wäre sicher, dass ich in einigen Monaten weltberühmt sei.
Die andere Gruppe umringte den Herrn Professor und demonstrierte Solidarität. Eine ältere, eigentlich gebildet wirkende Dame kam auf mich zu, beleidigte und beschimpfte mich. Was mich überraschte, war die Tatsache, dass beide Lager ungefähr gleich groß waren. Damals wurde mir zum ersten Mal klar, dass es offensichtlich auch einen nicht geringen Teil Schmerzleidende gibt, die durch die herkömmliche Therapie so einseitig geprägt sind, dass sie an die Möglichkeit ihrer Heilung von den Schmerzen nicht glauben können oder aus den unterschiedlichsten Gründen vielleicht auch nicht wirklich daran interessiert sind.
„Diese Texte sind www.liebscher-bracht.com entnommen.“
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